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Kruzifix findet den Weg in seine historische Heimat

28.09.2021

Kruzifix findet den Weg in seine historische Heimat

Dieser Tage konnte Bürgermeister Schäfer von Frau Rita Schüle ein altes Kruzifix entgegennehmen, das beim Welle-Bauernhof ungefähr 200 Jahre den Herrgottswinkel vervollständigte.

Rita Schüle ist wie ihre verstorbenen Geschwister Martha und Ludwig Nachfahrin von Alfred Schüle und Berta, geb. Welle.

Von Generation zu Generation wurde die Geschichte des Kruzifixes weitergetragen, so erzählt Rita Schüle:
„Meine Großmutter Sofie Welle, geb. Gutmann aus Hausach / Einbach, kam Ende des 19. Jh. durch Heirat mit Ludwig Welle auf den Welle-Bauernhof in Seelbach. Sie erzählte mir und in unserer Familie immer wieder – gleich einem Vermächtnis – wie unser Kruzifix in den Herrgottswinkel kam:

Ihrer Schwiegermutter Barbara Welle, geb. Christ vom Litschental, war es wohl ein Anliegen, dass die Geschichte dieses Kruzifixes nicht in Vergessenheit gerät. Als diese (Schwiegermutter) wohl etwa Mitte des 19. Jh. auf den Hof kam, erzählte ihr die alte Magd des Hofes, dass sie mit eigenen Augen gesehen hat, und wie eindrücklich es für sie war, als ein Mönch vor der Vertreibung (aufgrund des Säkularisation ca. 1803) das Kruzifix auf seinem Rücken vom Franziskanerkloster in unser Elternhaus gebracht hat, als Dank für die Wohltätigkeit unserer Vorfahren.

Seit mehr als 200 Jahren hatte es seinen Platz in unserer Stube. Seit meiner Kindheit habe ich diesen „Herrgottswinkel“ als einen besonderen Ort erfahren: Damals gab es z.B. noch keine Leichenhalle. Mein Großvater und meine Großmutter waren nach dem Sterben bis zum Leichenzug zur Beerdigung vor diesem Kruzifix aufgebahrt. Wir Kinder hatten das Tuch über dem offenen Sarg weggenommen, wenn Verwandte, Freunde und Nachbarn kamen um Abschied zu nehmen. Ich erinnere mich auch - schon als Kleinkind - an schwere, bedrohliche Gewitter während der Erntezeit. Die ganze Familie und alle, die während der Heu- oder Getreideernte mitgeholfen haben, standen gemeinsam betend vor diesem Kreuz. Sicher hat sich da nicht nur für mich, sondern auch für meine Vorfahren für den je eigenen Lebensweg Entscheidendes abgespielt.

Diese Erinnerungen sind persönlich und nur beispielhaft und lassen nur erahnen, was an elementarer Not und Sorge an dieses Kruzifix hingetragen und hingebetet wurde während der turbulenten politischen Situation des 19. Jh. und erst recht während der zwei Weltkriege im vergangenen Jahrhundert.

Mit der Rückgabe des Kreuzes an die Gemeinde Seelbach verbinde ich den Gedanken eines Kreises, der sich schließt: durch die Wohltätigkeit meiner Vorfahren kam das Kruzifix auf unseren Hof. Der Welle–Bauernhof existiert nun nicht mehr. Aus Dankbarkeit, dass ich und meine beiden verstorbenen Geschwister Martha und Ludwig sowie seine Frau und seine Kinder in Frieden und Freiheit aufwachsen und leben durften, gebe ich in Übereinstimmung mit den Kindern meines Bruders das Kruzifix an den Ort zurück, von wo es vor über 200 Jahren den Weg zu uns genommen hat.“

Bürgermeister Schäfer imponiert das alte Kruzifix, das seinen Platz im historischen Treppenhaus finden wird.

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