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Seelbach zu Besuch in Zillebeke

05.09.2018

Seelbach zu Besuch in Zillebeke

Eine kleine Delegation aus Seelbach besuchte dieser Tage die belgische Partnergemeinde Zillebeke. Anlass war die Würdigung der 35 Jahre währenden Partnerschaft zwischen Zillebeke und Seelbach im Ramen des dortigen Dorffestes.

Am Freitagabend angekommen, bezog man dann gleich Quartier bei den schon wartenden Gastfamilien. Der Samstagvormittag begann mit einer Wanderung entlang der Frontline im ersten Weltkrieg, an der Gäste und Gastgeber teilnahmen.

Wolfgang Himmelsbach, Sprecher des Zillebeke-Komitees aus Seelbach, erläuterte einleitend die heute kaum vorstellbaren Ereignisse, die den Krieg bis vor die Tore Zillebekes und Yperns gebracht haben. Auf dem vier Kilometer langen Weg versuchte er das unsägliche Leiden und Sterben zu beschreiben, das hier vor hundert Jahren alltäglich war, hüben und drüben. Angriff, Gegenangriff, Gas, Minen, Trommelfeuer, das seien Worte, deren Bedeutung man erst erfassen könne, wenn man die Verlustziffern kennt. Und Himmelsbach nannte diese Ziffern, heute einfach nicht vorstellbar. Die da sterben mussten, vor Zillebeke, das waren auf deutscher Seite insbesondere auch elsässische und badische junge Männer.

Vier Kilometer Weg, die eigentlich zeigen müssten, dass Krieg immer ein Verbrechen an der Menschheit ist. Nach über drei Stunden, bei einem vorzüglichen flämischen Mittagessen, lockerte sich die durch das Gehörte bis dahin eher gedrückte Stimmung unter den Teilnehmern wieder auf.

Danach begab man sich in die Stadt Ypern. Ein Besuch im Merghelynckmuseum stand an. Dieses Herrenhaus ist eine perfekte Rekonstruktion eines Gebäudes aus dem Jahr 1774, das im 1. Weltkrieg vollständig zerstört wurde. In wunderschön dekorierten Salons und Boudoirs kann man originale französische Möbel, Gemälde und Silberwaren sehen, die noch rechtzeitig, Anfang 1915, evakuiert werden konnten.

Nach einer Stippvisite im Ratssaal der Stadt Ypern begab man sich zum Menentor, um an der Zeremonie „Last Post“ teilzunehmen. Das Menentor ist ein Ehrenmal für über 52.000 in den Schlachten um Ypern gefallenen Soldaten Großbritanniens und des Commonwealth, die nicht identifiziert werden konnten und somit kein Grab gefunden haben. Seit dem 2. Juli 1928 wird jeden Abend um 20 Uhr die „Last Post“ zum Gedenken an diese Gefallenen geblasen. Zwei Zillebeker und zwei Seelbacher legten dabei gemeinsam einen Kranz der Gemeinde Seelbach nieder.

Das Zillebeker Dorffest am Sonntag stand ganz im Zeichen der nun schon 35-jährigen Partnerschaft mit Seelbach. Im Zillebeker Kulturzentrum „In ´t Riet“ begrüßte nach einem „Aperitif-Konzert“ die Vorsitzende des Seelbach-Komitees, Antoinette Leroy, insbesondere auch die Seelbacher Gäste. Anschließend ließ sie die 35 Jahre Revue passieren und würdigte Hans-Peter Martin und Winfried Fautz als Gründerväter der Partnerschaft auf Seelbacher Seite. Sie machte auch deutlich, an wie vielen Stellen in Zillebeke man durch kleine Monumente immer wieder an Seelbach erinnert werde.

Der 1. Beigeordnete der Stadt Ypern, Jef Verschoore, bedankte sich im Namen der Stadt bei den Akteuren der Partnerschaft. Städtepartnerschaften seien ein Zeugnis für ein Europa, das uns bis heute ermöglicht hat, seit 73 Jahren in Frieden zu leben. Die Stadt Ypern entwickle aktuell Konzepte, um auch nach 2018 als die „Friedensstadt“ weltweit wahrgenommen zu werden.

Auch Wolfgang Himmelsbach ging auf den Europäischen Zusammenhang ein. Man müsse wachsam sein und müsse Populisten, die die Europäische Idee und häufig auch die Demokratie an sich verneinen, entschieden entgegentreten. Man brauche Menschen, die an mehr denken als an sich selbst. Auch deshalb brauche Europa heute Städtepartnerschaften, mehr denn je.

Nach einem weiteren opulenten Mittagsmahl blieb genügend Zeit für reichlichen Gedankenaustausch, gerade in persönlichen Gesprächen.

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